Die kurze Spannungsmessung gibt nur nichts her. Weil Bleiakkus eine chemische Trägheit besitzen. Beim Laden werden Ionen in Bewegung gesetzt, bei Entfall des Ladestroms bewegen sich diese erst langsam im sich abbauenden "Treiberfeld" in eine stabile Position zurück. Das ist ein sehr langsamer Vorgang, man misst dann eine über längere Zeit immer weiter abfallende Spannung, die sich erst nach einiger Zeit einem stabilen Wert annähert. Und nur der Wert lässt eine Bewertung zu.
Beispiel:
Mal beaufschlagt die Starterbatterie mit einem Ladestrom von 5A und beobachtet dabei die Spannung mit einem Messgerät. Diese wird relativ schnell auf einen Wert zwischen 12,5 und 14 Volt ansteigen (bei einer maximalen Spannung von 14,5/14,8V). Schaltet man den Ladestrom wieder ab, sinkt die Spannung langsam auf einen irgendwann konstanten Wert zurück, was aber durchaus eine halbe Stunde oder mehr dauern kann.
Welche Spannung gilt denn nun und was bedeutet das?
=> erst die Ruhespannung, also die gemessene Spannung an der Batterie, wenn sie irgendwann konstant bleibt, nicht mehr steigt oder fällt, lässt einen Rückschluss auf den Ladezustand zu. Die Ruhespannung liegt bei einer gesunden Batterie im Bereich zwischen etwa 11,5 und 12,9V, je nach Technologie (Nasszelle, EFB, AGM...). Wichtig dabei: Zündung aus. Denn jede Stromentnahme führt zu einer Verringerung der Spannung und torpediert wieder die Bewertung der Ruhespannung. Ruhe = kein Stromfluss und Spannung konstant.
=> eine abgelesene Spannung im Lade- und Erhaltungsladebetrieb hingegen gibt keinen Aufschluss über den Ladezustand.
Ich empfehle, im Auto einen Batteriewächter (z.B. "Intact Battery Guard") einzubauen. Damit kann man die Spannungsänderungen beim Laden gut als Spannungskurve beobachten, den zeitlichen Verlauf. Und sehen, wie Erhaltungsladung funktioniert. Dann sieht man z.B., dass in der Erhaltungsladung kurze Ladepulse stattfinden und dazwischen eine längere Pause liegt, in der sich die Spannung wieder in die Ruhespannung bewegt (sieht wie ein Kamm aus, immer wieder kurze Nadeln). Das dient zur Ladestandskontrolle. Denn auch das Ladegerät hat nur die Möglichkeit, den Ladestand durch Warten auf stabile Spannung zu ermitteln.
Also die Anzeige der Momentanspannung ohne das Verhalten über die Zeit zu wissen dient eher der Verwirrung als auch nur annähernd zu einer Beurteilung des Ladezustands. Sie bringt dem Anwender nichts, weil man nur einen Momentanwert bekommt, der schlicht gar nichts aussagt.
Einfach mal mit einem Messgerät die Batteriespannung verfolgen, wenn ein Ladegerät angeschlossen ist. Aber nicht nur für Sekunden, sondern länger. Dann sieht man das gut, dass ein Einzelwert nichts bedeutet.